Richtung Oktober und vor Ostern, so lautet die Bauernregel des stolzen Autobesitzers, suchen Autofahrer die Werkstätte ihres Vertrauens auf. Einige Autobesitzer hantieren dagegen nach wie vor mit dem Wagenheber. Das LIGABlatt stellte an die AMG-Experten von SHIFT 2 PASSION fünf Fragen zum Thema Räderwechsel bei Performance-Fahrzeugen. 

Foto: Scott Olson/Getty Images

Sollte man bei einem Performance-Fahrzeug die Reifen eigenhändig wechseln?

Vom eigenhändigen Räderwechsel ist abzuraten, weil es bei den Komponenten Verbundrad, Bremsscheibe, Radbolzen und Achsschenkel einiges zu beachten gilt. Dies betrifft allen voran mögliche Folgebeschädigungen, die an der Bremsanlage zu vermeiden sind. Darüber hinaus gilt es zu prüfen, wie der Zustand der Felgen und der Achsteile sind. So können bei Performance-Fahrzeugen die Verbundschrauben (Radschrauben) verschleißen und verlieren aufgrund der Überhitzung an Elastizität. Beispielsweise gibt es bei der Mischbereifung unterschiedliche Einpresstiefen und Raddimensionen. Hier kann man ohne Fachkenntnis schnell Fehler machen, die später zu Beschädigungen am Fahrzeug und an den dahinterliegenden Teilen führen können. Daher lautet an dieser Stelle die Empfehlung, beim Thema Räderwechsel besondere Sorgfalt zu wahren und die Arbeiten in der Fachwerkstatt ausführen zu lassen.

Kann das Reifenlabel als Grundlage für die Kaufentscheidung verwendet werden? Oder sollte man besser die Beratung eines Fachhändlers hinzuziehen?

Bei Performance-Fahrzeugen trifft das mit dem Reifenlabel eher nicht zu. Das Label trifft keine qualifizierte Aussage über Performance und zu den erforderlichen Reifeneigenschaften, die ja dem einzelnen Fahrer aufgrund seiner individuell ausgeprägten alltäglichen, sportlichen oder extremsportlichen Fahrweise wichtig sind. Für die richtige Reifenwahl ist eine kompetente Beratung hinsichtlich Fahrzeug und Fahrstil heranzuziehen. Gerade auch vor dem Hintergrund, da die Reifenhersteller eine Vielzahl an Reifen mit verschiedenen Eigenschaften anbieten.

Was muss beim Reifendruck beachtet werden?

Die Herstellerangaben und Empfehlungen für die einzelnen Fahrzeuge betreffen den Alltagsbetrieb. Hier ist es wichtig zu wissen, welchen Reifen man nutzt und wo mit dem Fahrzeug gefahren wird. Der Reifendruck in der Tankklappe ist somit nicht immer als Referenz anzusehen (Bsp.: Track-Day). Bei Performance-Reifen muss man wissen, bei welchem Reifenluftdruck die Reifen funktionieren und ab wann die Selbstzerstörung beginnt. Beispielweise führt bei einem Michelin-Reifen ein Druck kleiner 2,5 bar (warm) zur negativen Folge, dass die Lebensdauer des Reifens stark eingeschränkt wird und somit die Leistungsfähigkeit nachlässt.

Was bedeuten die Zahlen auf dem Reifen? Beispiel: 205 / 55 R16 91V

205 (Breite): Diese Zahl gibt die Reifenbreite in Millimeter an. Dieser Reifen ist 205 mm breit.

55 (Höhen-Breitenverhältnis): Diese Zahl repräsentiert das Höhen-Breiten-Verhältnis. Die Höhe der Seitenwand dieses Reifens beträgt 55 Prozent seiner Breite.

R (Bauart): Dieser Buchstabe verrät Ihnen die Bauart des Reifen. "R" steht für Radialreifen.

16 (Felgengröße): Diese Ziffern geben den Durchmesser der inneren Felge in Zoll an. Dieser Reifen passt auf eine 16-Zoll Felge.

91 (Tragfähigkeitsindex): Diese Ziffern bezeichnen die Höchstlast, die der Reifen tragen kann. "91" bedeutet, dieser Reifen bis zu 615 kg belastbar.

V (Geschwindigkeitssymbol): Das Geschwindigkeitssymbol gibt Auskunft über die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens unter den vom Hersteller angegebenen Bedingungen. "V" steht für 240 km/h.

Haben Reifen ein Verfallsdatum? Was gilt es hierbei zu beachten?

Ja, Reifen haben einen Verfallsdatum. Insbesondere spielt das bei Performance-Reifen eine Rolle. Der Profilverschleiß hat zwar im Vergleich zu Reifen in früheren Zeiten stark abgenommen, doch das Alter des Reifens spielt heute eine große Rolle. So verliert ein Performance-Reifen bereits nach zwei Betriebsjahren an Geschmeidigkeit und Haftwirkung, da der Reifen nach zwei Jahren einen entscheidenden Anteil der Elastomere verloren hat. Dies führt dann zu Beanstandungen wie vermehrter ESP-Eingriff und Bremsverschleiß.

Dieser Artikel wurde im Rahmen der Medienkooperation zwischen LIGABlatt und SHIFT 2 PASSION veröffentlicht. Die AMG-Experten Matthias Kannegießer und Markus Mangold haben unsere Fragen zum Thema Räderwechsel beantwortet und freuen sich auf weitere Leserfragen. Für Anregungen und Fragen stehen wir zur Verfügung (redaktion@ligablatt.de).