Grundsätzliche ist es nichts Ungewöhnliches, dass ehemalige Spieler nach ihrer aktiven Karriere ins Trainergeschäft einsteigen. Es geschieht jedes Jahr und wird häufig als logischer Karriereschritt gesehen. Manche fangen klein an und sammeln bei den Nachwuchsmannschaften der Top-Klubs Erfahrung, andere steigen direkt auf höchstem Niveau ein. In der Bundesliga hingegen ist es in den vergangenen Jahren immer üblicher geworden, junge und häufig im eigenen Verein tätige Trainer zu befördern – dies oft auch ohne vorherige Erfahrung im Profifußball. Im Vergleich dazu gab es im vergangenen Sommer einige namhafte Ex-Spieler, die den ersten großen Trainerjob antraten. Kürzlich kam mit Chelsea-Legende John Terry ein weiterer hinzu.

Terry wird Assistent bei Aston Villa

John Terry ist der nächste Ex-Nationalspieler, der die Fußballschuhe gegen die Coaching-Zone eintauscht – wenn auch nur als Assistenz-Trainer. Terry, der erst vor wenigen Wochen als Spieler kurz vor einem Wechsel zu Spartak Moskau stand, wird beim Zweitligisten Aston Villa Assistent von Dean Smith, der die Nachfolge des entlassenen Steve Bruce antrat. Smith kommt vom Ligakonkurrenten FC Brentford, das für seinen attraktiven Offensivfußball bekannt ist und zum Zeitpunkt des Wechsels in der Tabelle vor dem Traditionsklub aus Birmingham stand. Terry kennt sich bei Aston Villa bereits bestens aus, spielte er doch in der vergangenen Saison für den Klub, der im Mai den Aufstieg in Premier League im Play-off-Finale verpasste. Terry hatte in der Vergangenheit mehrfach erwähnt, als Trainer – oder Manager, wie in England der Posten des Chef-Trainers meist bezeichnet wird – arbeiten zu wollen. Beim Traditionsverein hat er nun in der Rolle des Assistenten die Möglichkeit, als Nummer Zwei Erfahrung zu sammeln. Mit diesem Schritt folgt Terry seinen ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Frank Lampard und Steven Gerrard, die im Sommer selbst ihre ersten Jobs als Trainer im Profigeschäft antraten. Gerüchten zufolge wurde es Villas neuem Chef-Trainer verweigert, seinen eigenen Assistenten mitzubringen. Sollte dies der Fall sein, und Terry sozusagen eine aufgezwungene Nummer Zwei sein, könnten Probleme vorprogrammiert sein.

Bundesliga verfolgt andere Philosophie bei der Trainerwahl

In der Bundesliga setzten Vereine in den vergangen Jahren immer seltener auf große Namen, sondern auf Kontinuität und "Jugend". Die Beförderung junger Trainer, die bereits bei den U23- oder Jugendmannschaften tätig waren, ist mittlerweile keine Besonderheit mehr. Neben Trainern wie Thomas Tuchel, Manuel Baum und Florian Kohfeldt, ist Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann sicher das prominenteste Beispiel. Hoffenheim machte Nagelsmann 2016 mit 28 Jahren zum jüngsten Bundesliga-Trainer aller Zeiten. Dieser zahlte den Verantwortlichen das Vertrauen zurück und rettete die TSG in einer brenzligen Situation vor dem Abstieg. Es folgte ein vierter sowie ein dritter Platz und damit die Qualifikation für die Champions League in der Vorsaison. Vor der aktuellen Spielzeit wurde bekannt, dass Nagelsmann zur neuen Saison Trainer von RB Leipzig wird. Beide Klubs ähneln sich dahingehend, dass sie durch Investitionen in den letzten Jahren schnell gewachsen und in der Bundesliga etabliert sind. Nagelsmann dürfte den Schritt jedoch als eine klare Karriereverbesserung sehen. Ein Blick auf die Tabelle bestätigt dies. Leipzig startet deutlich besser in die Bundesligasaison als die Kraichgauer. Nach drei Siegen in Folge belegt man vor der Oktober-Länderspielpause sogar Platz Zwei. Bei den Wettanbietern gilt man dennoch hinter Bayern und Dortmund als krasser Außenseiter. Laut Oddschecker liegt die Quote für einen Leipziger Titelgewinn bei 67,0 (Stand: Ende Oktober). Bei Hoffenheim hingegen ließen trotz häufig guten Leistungen die Ergebnisse meist zu wünschen übrig. Eine Trainerdiskussion gibt es dennoch nicht.

Lampard soll Derby zum Aufstieg führen

In der englischen Championship trifft Terry künftig auf seinen langjährigen Teamkollegen Frank Lampard. Die Chelsea-Legende übernahm im Sommer als Chef-Trainer bei Derby County und soll den Verein nach einigen enttäuschenden Jahren zurück in die Premier League führen. Derby startete ordentlich in die Saison und sollte gute Chancen haben, im April nächsten Jahres noch um die Play-off-Plätze mitzuspielen. Das Erreichen eines direkten Aufstiegsranges könnte jedoch eher schwierig werden. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass gut die Hälfte aller Zweiligisten den Anspruch hat, unter den ersten sechs zu landen. Dazu kommen jene Teams, für die der direkte Aufstieg fast ein Muss ist. Da wären allen voran die Absteigern von West Bromwich Albion und Stoke City zu nennen. West Brom untermauerte seine Ambitionen zu Saisonbeginn, wohingegen Stoke mit seinem neuen Trainer Gary Rowett einen krassen Fehlstart hinlegte. Mittlerweile hat man sich jedoch etwas gefangen. Auch Aston Villa wurde seinen Ansprüchen bisher nicht gerecht, was letztendlich zur Entlassung von Steve Bruce führte. Außerdem überzeugten bisher die Teams von Leeds United und dem FC Middlesbrough. Die bisher größte Überraschung ist jedoch Sheffield United, das Mitte Oktober in der Tabelle ganz oben stand. Eine Sensation ist der Erfolg allerdings nicht ganz. Schließlich belegte man auch in der letzten Spielzeit lange einen Play-off-Rang, bevor eine Schwächephase in der Rückrunde alle Aufstiegsträume beendete.

Auch Gerrard und Giggs wagten den Schritt ins Trainergeschäft

Ein weiterer ehemaliger englischer Nationalspieler, der mittlerweile auf der Trainerbank sitz, ist Steven Gerrard. Der langjährige Kapitän des FC Liverpool trainiert seit dieser Saison die Glasgow Rangers. Dort erntete er auch sofort Lob für die Spielweise der Rangers. Der Gewinn der Meisterschaft ist jedoch in der überraschenderweise derzeit nicht von Celtic dominierten Premiership eher unwahrscheinlich. Mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen startete man jedoch gut in die Europa League. Vor seinem Engagement in Glasgow sammelte Gerrard in Liverpools Akademie Erfahrung als Trainer. Bereits ein halbes Jahr zuvor hatte eine weitere Premier-League-Legende endlich seinen ersten Job als Chef-Trainer gefunden. Ryan Giggs trat im Januar den Posten als walisischer Nationaltrainer an. Seine bis dahin einzigen Erfahrungen als Trainer hatte er als Interimstrainer bei Manchester United sowie anschließend als Assistent von Louis van Gaal – ebenfalls bei den Red Devils – gemacht. Giggs wurde danach vorgeworfen, zu wählerisch zu sein und auf ein Trainerengagement auf höchstem Niveau zu bestehen, anstatt sich stetig weiterzuentwickeln.

Thierry Henry heuert in Monaco an

Während der Länderspielpause landete ein weiterer Ex-Star seinen ersten großen Trainerjob: Thierry Henry trat beim AS Monaco die Nachfolge des entlassenen Portugiesen Leonardo Jardim an. Henry hatte einst seine Spielerkarriere bei den Monegassen begonnen und kehrt somit "nach Hause" zurück. Es scheint ein wohlüberlegter Schritt zu sein, hatte er doch wenige Wochen zuvor angeblich kurz vor der Übernahme der vakanten Trainerstelle bei Girondins Bordeaux gestanden. Henry soll jedoch bedenken über den Rückhalt der Klubbesitzer gehabt haben. Nach seiner aktiven Karriere als Spieler war Henry zunächst in England als TV-Experte bei "Sky" tätig. Bei der letzten Weltmeisterschaft war er dann Co-Trainer von Roberto Martinez bei der belgischen Nationalmannschaft. Neben Bordeaux war Henry immer wieder mit verschiedenen Vereinen in Verbindung gebracht worden – unter anderem auch bei Aston Villa. Die Aufgabe bei Monaco dürfte keine leichte werden. Der Meister von 2017 belegte nach neun Spieltagen den drittletzten Tabellenplatz. Zudem verlor man in den vergangenen Jahren stets seine talentiertesten Spieler an andere europäische Top-Klubs. Kylian Mbappe, Bernardo Silva und Thomas Lemar sind namhafte Beispiele.