Neulich ärgert sich der DFB über das gemeinsame Foto von Ilkay Gündoğan, Mesut Özil und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Auch Cenk Tosun war auf dem Bild. Für DFB-Boss Reinhard Grindel ist das gemeinsame Treffen allerdings nicht akzeptabel. Er wirft den türkischstämmigen Nationalspielern gar "Wahlkampf" vor. Die BILD-Zeitung schießt gegen die türkischen Spieler nahezu mit allen verwerflichen Mitteln. LIGABlatt-Chefredakteur Fatih Şenel kommentiert.

Das nenne ich mal die Grenze klar überschritten! Was geht es den DFB-Boss Reinhard Grindel bitte an, mit welchen demokratisch gewählten Staatspräsidenten oder Politikern sich türkischstämmige Fußballer treffen?

Es ist vielmehr nicht hinzunehmen, dass Reinhard Grindel die türkischen Spieler öffentlich an die Wand stellt und versucht, unverschämt medialen Druck auszuüben – und das vor der so wichtigen WM! Auf die überzogenen Grindel-Aussagen freut sich Nationaltrainer Joachim Löw sicherlich nicht. Integration heißt im Übrigen nicht, die türkischen Wurzeln und die anatolische Kultur abzuwerfen lieber Herr DFB-Präsident.

Im Gegenteil: Eklige Assimilation ist genau das, was Sie mit Ihren Worten erwirken möchten. Niemand muss zudem Ihre politische Meinung vertreten. Wenn Spieler mit Recep Tayyip Erdoğan Fotos machen, dann haben Sie dies zu respektieren. Meine Frage lautet: Wer für den DFB spielt, soll den demokratisch gewählten türkischen Präsidenten nicht treffen – oder muss man Sie vorab um Erlaubnis bitten? Ziehen Sie bitte keine billige Show ab. Und mit Ihrer Linie verkörpern Sie insbesondere aufgrund Ihrer Intoleranz gewiss nicht die Werte des Fußballs. Da lachen ja die Hunde, besagt ein türkisches Sprichwort.

Bitte kümmern Sie sich um den mehrmals vergeigten Videobeweis und sorgen Sie dafür, dass die Bundesliga nicht zur Nummer vier in Europa degradiert wird. Das ist Ihr echter Job. Außerdem: Bravo Jungs, Ihr habt Euch aufrichtig und vorbildlich verhalten. Dass Mr. Cem Özdemir sich über das coole Foto aufregt und die nächste Twitter-Show abzieht, amüsiert mich persönlich umso mehr.

Die politisch übermotivierte BILD-Zeitung macht zudem genau das, was gerade israelische Sicherheitskräfte mit über 2.000 Palästinensern machen – gegen Unschuldige schießen, verletzen, umbringen, töten und dies medial auch noch verbergen.

Gündoğan wehrt sich mit Statement

"Zusammen mit Mesut, Cenk und weiteren Sportlern haben wir gestern Abend eine Veranstaltung einer türkischen Stiftung in London besucht. Wir finden es gut, dass es eine Stiftung gibt, die türkische Studenten im Ausland fördert und Ihnen damit eine internationale Karriere ermöglicht. Wir haben den türkischen Staatspräsidenten am Rande der Veranstaltung getroffen. Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet. Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger – für die Geste der Höflichkeit entschieden. Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen. Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst. Fussball ist unser Leben und nicht die Politik."