In unserer neuen Rubrik möchten wir euch regelmäßig aktuelle Buchtipps bieten. Den Anfang macht "Schwarz-Gelbe Liebe: 111 Gründe, Fan von Borussia Dortmund zu sein" von Nicolas Diekmann. Das im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienene Werk umfasst starke 272 Seiten und weiß mit Anekdoten rund um die Historie des BVB zu begeistern. Wir möchten euch nach und nach drei der besagten 111 Gründe vorstellen.

Weil der BVB in Blau und Weiß seine Trikot-Geschichte begann – dieses Vergehen aber schnell korrigierte

In den ersten vier Jahren nach der Gründung konnten Zuschauer die Verbindung zur Kirche bei jedem Spiel auch sehen, im Wortsinn. Denn die Jerseys der Spieler zierten ausgerechnet die Farben Weiß und Blau, die Farben der katholischen Dreifaltigkeitskirche. Eine rote Brust-Schärpe ergänzte die Längsstreifen, als Ausdruck der Solidarität mit der Arbeiterbewegung.

Dass es nur vier Jahre dauerte, bis dieser – retrospektiv betrachtet – optische Fehlgriff korrigiert wurde, hängt mit der damaligen Verbandsstruktur zusammen. Seit der Jahrhundertwende sprossen zig Fußballvereine in der Region aus dem Boden. Der Masse nicht mehr Herr werdend, verkündete der Westdeutsche Spiel-Verband (WSV) kurzerhand einen Aufnahmestopp.

Dass Borussia Dortmund bereits ein Jahr nach seiner Gründung trotzdem Teil des WSV wurde, verdankten die Gründer zweierlei: guten Kontakten zum einflussreichen Fußballfunktionär Walter Sanß und einem Trick der Vereinsmitglieder. Der Stopp galt lediglich für die Fußballvereine, und so bewarb sich der BVB als Leichtathletikabteilung um Aufnahme, die kurzerhand genehmigt wurde. Einmal in die Verbandsstruktur integriert, gelang im Dezember 1910 schließlich auch die offizielle Anmeldung der Fußballabteilung. Eine wichtige Etappe hin zur schrittweisen Professionalisierung des Fußballbetriebs.5Anderen Vereinen blieb dieser Zutritt derweil versperrt, weshalb sich Rhenania, Britannia und Deutsche Flagge auflösten und dem BVB anschlossen. Die Folge des von 13 auf nun 40 angewachsenen mitgliederstarken Vereins: Aus dem stark katholisch geprägten Gründungsursprung entwickelte sich eine heterogenere Gruppe mit einer Vielzahl protestantischer Mitglieder.

Dieses Argument nutzte dann auch August Busse bei der Jahreshauptversammlung des BVB Anfang 1913. Busse war der Wortführer jener einflussreicher Neumitglieder, die sich zuvor bei Britannia organisierten. Den Antrag auf Änderung der Vereinsfarben unterstützte auch Präsident Jacobi, und nur einen Monat später erhielt man die Zustimmung des WSV. Seit dem 14. Februar 1913 ist Dortmund also Schwarzgelb. Warum es gerade diese Farben wurden, hängt wohl mit dem Initiator Busse zusammen, dessen vorheriger Verein in eben diesen Farben auflief.

Zunächst in grellgelben Jerseys mit einem »B« darauf und schwarzen Hosen, veränderte sich das Trikot in den folgenden Jahrzehnten: mal mit Querbalken, mal Längsstreifen, mal als Schnürhemd, mal Trikots mit V-Ausschnitt, mal ein mattes, mal ein schrilles Gelb. Aber seit 1913 gab es keine Spielbekleidung mehr, die nicht Gelb und Schwarz vereinte.

Die Schmach, über Jahre die gleichen Farben wie der ungeliebte Nachbar getragen zu haben, ging an den Dortmundern im Übrigen vorüber. Denn zu jener Zeit spielte die Mannschaft aus Gelsenkirchen ihrerseits in Gelb und Rot. Gewissermaßen hat der BVB denen also nicht nur diverse Meistertitel voraus. Die Vereinsfarben testete Dortmund zunächst, befand sie letztlich aber für mangelhaft. Der ungeliebte Nachbar trägt Blau und Weiß indes bis heute.

"Schwarz-Gelbe Liebe: 111 Gründe Fan von Borussia Dortmund zu sein", erhältlich im praktischen Taschenbuch-Format für 9,99 Euro.