Die Bayern wirken dieser Tage so anfällig und zerbrechlich wie zuletzt zu Zeiten von Jürgen Klinsmann. Das Erbe des Pep Guardiola, der die Münchner über drei Jahre zu einer der besten europäischen Mannschaften formte, scheint aufgebraucht. Allen voran die unter dem Spanier praktizierte und perfektionierte Raum- und Ballverteilung lassen die Bayern vermissen – und hieraus resultierend wirken die Offensivbemühungen des Rekordmeisters nicht ansatzweise  so gefährlich wie noch vor anderthalb Jahren.

"Verraten und verjagt" – Italiener giften gegen die Bayern

Guardiolas Nachfolger, Carlo Ancelotti, wurde dementsprechend Ende der vergangenen Woche vom Hof gejagt. Die italienischen Zeitungen überschlugen sich daraufhin mit Schuldzuweisungen, meist gingen diese direkt in Richtung Vereinsführung der Bayern. Die "Corriere dello Sport" aber beispielsweise schrieb, dass Ancelotti "Opfer einer Verschwörung" wurde –  und nimmt arrivierte Stammkräfte wie Franck Ribéry, Arjen Robben und Mats Hummels in die Pflicht.

Ancelotti gehört nun der Vergangenheit an – und doch sind mit ihm nicht alle Probleme gegangen. Das enttäuschende 2:2-Remis bei Hertha BSC Berlin muss hierfür nicht als Indikator herangezogen werden, aber es offenbarte erneut, dass die Bayern in dieser Verfassung aufpassen müssen, nicht das eigene Selbstverständnis zu verlieren. Wenn Interimstrainer Willy Sagnol auf der anschließenden Pressekonferenz davon spricht, dass das Resultat "ein bisschen ärgerlich ist", werden Erinnerungen an "klinsmannsche"-Relativierungen aus der Saison 2008/09 wach.

Thomas Tuchel als Heilsbringer?

Die Bayern brauchen neue Impulse. Und sie brauchen eine klare Linie. Diese hatte Ancelotti zuletzt, auch aufgrund teils diffuser Personalentscheidungen, verloren. Der momentan hoch gehandelte Thomas Tuchel wusste bei Borussia Dortmund auch zu polarisieren – ließ beispielsweise Nuri Şahin beim Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt aus dem Kader streichen.

Und doch könnte Tuchel, der aus seiner angespannten Schlussphase bei Borussia Dortmund seine Lehren gezogen haben wird, sowas wie der Heilsbringer für müde und kreativlose Bayern werden. Nicht selten wurde Tuchel aufgrund seiner Akribie mit Guardiola verglichen. Wir denken, dass die Bayern einen "Neustart" benötigen. Und hierfür bedarf es externer Ideen – und auch wenn man Thomas Tuchel oftmals fehlendes Fingerspitzengefühl in der zwischenmenschlichen Arbeit vorwerfen konnte: An Ideen mangelt es dem 44-jährigen nie.