Die deutschen Medien mögen es, die Person Recep Tayyip Erdoğan als Streitthema zu behandeln und ihn zu scharf zu kritisieren. Neuerdings macht sich das n-tv Sorgen über Beşiktaş. Nach der Schlagzeile von n-tv, "leidet auch Beşiktaş unter Erdoğan". Warum eigentlich? Weil es einen Terroranschlag vor dem Stadion im letzten Jahr gab und die Hooligans von "Çarşı" bei den Gezi-Protesten angeklagt wurden. Und auch die Umbenennung des Stadions von Arena in Park macht dem Nachrichtensender große Sorgen. Wie verblendet und lügenhaft die neuste Schlagzeile ist, wollen wir hier detailliert darstellen. Außerdem stellt das n-tv Nuriye Gülmen und Semih Özakça als stinknormale Fans dar, die wegen ihren Verbindungen zur Terrororganisation DHKP-C inhaftiert sind.

Beşiktaş wurde doch 2015 und 2016 unter dem scharf kritisierten Staatspräsidenten Erdoğan türkischer Meister und bei der Stadioneröffnung im April 2016 war eben er als Ehrengast eingeladen. Leiden sieht eher nicht so aus! Über die Staatslotterie "SPORTOTO" hat man Beşiktaş zudem im Rahmen eines Sponsorings mit Millionen kräftig unterstützt. Präsident Erdoğan ist bekanntlich Fenerbahce-Fan, spielt gerne Fußball (trotz seines hohen Alters) und hat nach dem Porto-Sieg im TV erklärt, dass der tolle BJK-Sieg kein Zufall gewesen ist.

Was will aber der n-tv mit dieser politisch motivierten Schlagzeile uns Lesern vermitteln? Klar ist, dass man im Artikel Beşiktaş als "Arbeiterverein" darstellt und damit suggeriert, die untere Schicht der türkischen Gesellschaft, nämlich die Arbeiterklasse, würde "unter Erdoğan leiden". Dreister und beschämender könnte man nicht lügen. Wir empfehlen der n-tv-Redaktion kollegial, Beşiktaş näher kennenzulernen und die Geschichte des Vereins lückenlos zu lesen. Da hilft das Buch "111 Gründe, Beşiktaş zu lieben".

Würde Beşiktaş wie behauptet unter Erdoğan leiden, so würde man die hohen Steuerschulden nicht erlassen und den Bau der tollen Vodafone Arena nicht tatkräftig unterstützen. Sämtliche baurechtliche Hürden beim Stadionbau hat man am Bosporus erst mit der Hilfe des türkischen Staatspräsidenten überwinden können. So muss dem n-tv einleuchten, dass eben derartige falsche Schlagzeilen verblenden und eine falsche Meinung vom Verein und vom Staatspräsidenten erzeugen. Und, dass Mario Gómez oder Herr José Ernesto Sosa den Türken nicht wegen der Angst vor dem Terror ihre Rücken gekehrt haben, sieht man wundervoll daran, dass der Argentinier neuerdings bei Trabzonspors kickt.

Der türkische Fußball ist nach wie vor autonom – so wie es die FIFA und UEFA eben vorsehen!

In den Profifußball mischt sich Präsident Erdoğan wenn überhaupt fördernd ein. In der Türkei wurden in den letzten Jahren mit Subventionen über zehn hochmoderne Stadien gebaut und dazu Unsummen an Steuerschulden den Klubs erlassen – darunter leidet wohl eher die Staatskasse und der Steuerzahler! Gerade weil das Wort "Arena" auf seine Empfehlung hin in "Park" abgeändert wurde, zeigt uns doch eine differenzierte Auffassung über die Begrifflichkeiten. Man will in der Türkei offensichtlich nicht an Orten auflaufen, die Arenen heißen, da in der Antike Menschen in Arenen von Löwen zerfleischt wurden. So müssen wir respektieren, wenn die tolle Arena der "Schwarzen Adler" neuerdings Vodafone Park heißt und nicht Vodafone Arena.

Liebes n-tv, Lügen haben bekanntlich kurz Beine und Lügner haben lange Nasen!

Zum Schluss noch ein Tipp für die richtige Wahrnehmung der BJK-Fans: Die "Çarşı"-Gruppe ist eine heterogene Fangemeinschaft und repräsientiert nicht die Gesamtheit der Beşiktaş-Fans. Es gibt nach wie vor Beşiktaş-Lover, die politisch überzeugt zum türkischen Präsidenten stehen und die Gezi-Proteste ebenfalls terroristisch finden. Es ist vielmehr so, dass wir Leser unter skandalösen Schlagzeilen wie "Auch Beşiktaş leider unter Erdoğan" leiden, die auch noch falsch geschrieben ist – wo sind den bei Euch die türkischen Buchstaben geblieben?

Beşiktaş vertritt Türken und Muslime

Nebenbei! Erst gestern sagte BJK-Präsident Fikret Orman im TV: "Beşiktaş ist der beste türkische und muslimische Klub auf Welt, der wahrgenommen wird"- mit dieser Aussage haben wohl manche Zeitgenossen auch Probleme!