?KrAlex?, wie die Fener-Fans ihren Kapitän Alex de Souza voller Bewunderung tauften, kehrt seinem Königreich den Rücken – doch nicht ohne gebührend von seiner Anhängerschaft verabschiedet zu werden.

Von Anil P. Polat

Alex der Souza – Idol, Legende, Fener-Mythos. Die Superlative für den ehemaligen Star von Fenerbahce Istanbul und der türkischen Süper Lig kennen keine Grenzen. Doch jede Liebesgeschichte und Saga findet wohl einmal ihr Ende. Und so kam es dann auch, dass das Kapitel Alex und Fener keine unendliche Geschichte wurde, sondern an diesem Freitag beendet wird – denn an diesem Tag wird der Brasilianer die Türkei und die Süper Lig endgültig verlassen.

Ehre, Suspendierung und Vertragsauflösung im Blitztempo

Der Jubel über die Enthüllung der Spielerstatue zu Ehren des ?Lebenswerkes? von Alex währte nicht lange. Das Lächeln auf den Gesichtern der Fans gefror, als sie in den Medien vernahmen, dass Trainer Aykut Kocaman ihren Lieblingsspieler suspendiert hatte. Völlig verschwunden war es dann, als die schockierende Meldung eintraf, dass Alex seinen Vertrag bei den Kanarienvögeln aufgelöst hatte. Der Ausnahmezustand wurde in Kadiköy ausgerufen. Ein schwacher Trost, der die Wogen jedoch vorübergehend glätten konnte, kam mit dem Erfolg in der Europa-League gegen Borussia Mönchengladbach und dem Derby-Heimerfolg gegen die Adler Besiktas Istanbul. Doch die Anhänger trauern ihrem Vorbild weiterhin nach und wollen ihn zumindest würdevoll aus der Türkei verabschieden – wenn dies auch eher von Vereinsseite hätte geschehen müssen, wie viele wütende Fener-Fans empört bei jeder Gelegenheit kundtun.

Verdienste und Leistungen bleiben für immer unvergessen

Auch, wenn ihm vielleicht die angemessene Behandlung verweigert wurde, so hat Alex doch seinen ewigen Platz in den Geschichtsbüchern des türkischen Fußballs eingenommen. Der Mittelfeldregisseur, der seit Juni 2004 für den 18-maligen türkischen Meister spielte, bestritt in dieser Zeit wettbewerbsübergreifend 343 Pflichtspiele für die Kanarienvögel und erzielte dabei stolze 172 Treffer – und bereitete 139 weitere Tore vor. Er führte Fenerbahce zu drei Meisterschaften, vier Vize-Titeln, zwei Supercup-Siegen und nach fast 30 Jahren Wartezeit erstmals wieder zum Pokalerfolg. Dabei wurde Alex mit einem Tor und drei Vorlagen nebenbei auch noch bester Spieler des Finales. Des Weiteren wurde er zweimal Torschützenkönig der Süper Lig und das als Mittelfeldakteur. An diese Leistungen ihres Publikumslieblings werden nicht nur die Fener-Anhänger lange zurückdenken. Auch die Fans der Erzrivalen und Süper Lig Gegner erweisen KrAlex ihren Respekt.

Verabschiedung am Freitag

Am Montag hatte der mittlerweile 35-Jährige eine Pressekonferenz abgehalten, die sage und schreibe 127 Minuten dauerte ? über zwei Stunden! Der 48-malige brasilianische Nationalspieler antwortet geduldig auf alle Fragen der Journalisten. Dabei verlor er niemals den respektvollen Ton gegenüber Präsident Aziz Yildirim oder FB-Coach Aykut Kocaman, sondern schilderte sachlich die Geschehnisse. Ein Verhalten, das ihm nur noch mehr Sympathien und Achtung einbrachte. Alle Fußball- und Alex-Fans können sich nun am Freitag von einer der größten Lichtgestalten der
Süper Liga-Historie verabschieden. Ab 17 Uhr versammelt sich auf dem ehemaligen Gelände des Dienstagmarktes, dem Sali Pazari, der Abschiedskonvoi für den jahrelangen Fener-Spielmacher. Um 18 Uhr soll sich der Konvoi dann in Bewegung setzen und der Privatflieger, mit welchem Alex die Türkei gegen brasilianische Heimat verlässt, hebt um 20 Uhr türkischer Zeit ab. Eine letzte Möglichkeit für alle Fans aus Istanbul, ihrem Idol zuzujubeln.

Trauer in der Türkei, Freude in Brasilien

Die Bewunderung für Alex de Souza erstreckt sich über Kontinente. So betrauern die Fans in der Türkei die Abreise ihres ?Kapitäns? und versammeln sich auf den Straßen sowie vor dem Haus von Alex, während die angekündigte Ankunft des Mittelfeldstrategen in seinem Heimatland die Menschen voller Freude in Scharen auf die Straßen strömen lässt. So sind die Anhänger von Alex? früheren Verein Cruzeiro Belo Horizonte zum Klubgebäude marschiert, um für eine Verpflichtung des 35-jährigen lauthals Werbung zu machen.

Die Anerkennung, die Alex überall entgegen schlägt, hat er sich mit seiner professionellen und vorbildlichen Art sowie seinen herausragenden Leistungen auf dem Feld erarbeitet. Und wenn diese Tugenden nun nicht mehr in der Türkei bewundert werden dürfen, so machte er den Fans doch Hoffnung, dass sie in der Zukunft vielleicht wiedersehen. Dann jedoch an der Seitenlinie, wenn Alex womöglich als Trainer in seine ?zweite Heimat?, in die Türkei, zurückkehrt. Niemals geht man so ganz ? auch nicht in der Türkei.

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