Am Ende muss die hochgelobte junge deutsche Truppe nach Hause. Die 1:2-Niederlage gegen Italien zeigte wie schon bei den Testspielen, dass die deutsche Abwehrkette das Zeug zum Titel nicht hat. LIGABlatt meint: Spiele gewinnt man mit der Offensive, den Titel mit einer soliden Defensive. Am Ende spielen die nicht unbesiegbaren Italiener im EURO-Finale gegen Spanien.

Boateng, Lahm, Hummels und Badstuber – mindestens drei Namen haben im Halbfinal-Spiel gegen Italien gespielt wie im Fußball-Unterhaus. Zugegeben waren beide Tore von Balottelli (20./36.) traumhaft, die deutsche Abwehrkette wirkte aber in der Entstehung entscheidend mit. Die Stellungsfehler von Hummels und Lahm brachte den Italienern die frühe 2:0-Führung, wobei die Deutschen im Vorwärtsgang auch nicht kreativ genug waren.

Es waren zwar nennenswerte Torchancen vorhanden, doch der italienische Schlussmann Buffon spiele am vergangenen Abend wieder einmal souverän und hielt zum Beispiel den sehenswerten Freistoß von Reus überragend mit den Fingerspitzen. In der zweiten Hälfte riss Deutschland zudem das Spiel phasenweise an sich, doch erzwingende Torchancen entstanden kaum, Hummels verpasste den Anschlusstreffer um ein Haar.

Kaderrotationen: Pokerte sich Löw einmal zu viel?

Nach drei großen Turnieren mit Joachim Löw, muss sich Deutschland nun die nötige Überlegung machen, ob man bei einer Spitze bleiben will, denn die Formation mit einem echten Stürmer scheint wirkungslos und ermüdend, der Druck bei den Mittelfeldspielern ist einfach zu hoch. Löw legte den Grundstein für das Aus mit der Viererkette zu Beginn des Turniers und besiegelte die Rückreise nach Deutschland mit den Rotationen im Kader. Klar ist, dass auch die Leistungen der Bayern-Spieler immer noch von der bitteren CL-Finalpleite beeinträchtigt waren. Schweinsteiger, Kroos und Müller waren bei der EM-Endrunde allesamt nicht stark genug für den Titel. Aus dem Spiel heraus hat die deutsche Elf im Turnier weniger ideenreicher gewirkt als bei der WM 2010 in Südafrika. Das Umschalten von der Defensive in die Offensive lief stets stockend.

Deutschland muss sich für WM 2014 ein schlagkräftigeres Spielsystem aneignen

Der Fahrplan für die WM 2014 in Brasilien wurde mit dem heutigen Halbfinal-Aus in die Hände genommen. Die nicht unverdiente Niederlage gegen Italien hat auch gezeigt, dass man gegen einen Angstgegner irgendwie anders auftreten müsste. Die junge deutsche Truppe hat gegen den Weltmeister von 2006 mehr oder weniger Lehrgeld bezahlt und erneut die Schwächen wie schon bei den Testspielen vor dem Turnier gezeigt. Löw wird früher oder später die Verteidigung ändern und eventuell auf zwei Spitzen umstellen – eine gewagte Aussage, könnte aber schon bald wahr werden.

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