Am gestrigen Abend haben es die Löwen aus Istanbul geschafft nach einem kuriosen Spiel gegen den Erzrivalen ein Unentschieden heraus zu holen. Torlos endeten die 90 "Zitterminuten" im Sükrü-Saracoglu-Stadion, als Fenerbahces Bemühungen spätestens am Keeper Fernando Muslera scheiterten. Mindestens genauso kurios war aber die Pokalübergabe.

Es war kein gewöhnliches Spiel. Mal ganz davon abgesehen, dass man von einem der weltberühmtesten Derbys spricht, wenn es heißt Fenerbahce gegen Galatasaray, hatte diese Begegnung eine viel tiefgründigere Bedeutung. Es war das letzte Spiel der angehängten Playoff-Runde und beide Mannschaften – bekannt als Erzrivalen – hatten die Möglichkeit auf die Meisterschaft. Desweiteren war es für Galatasaray im Heimstadion des Gegners, keine leichte Aufgabe gegen 55.000 Fenerbahce-Anhängern mental anzukämpfen. Am Ende gelang es dem Tabellenführer jedoch aus der Partie zu gehen, ohne ein Mal ins eigene Netz greifen zu müssen und somit die 18. Meisterschaft in der Vereinsgeschichte zu feiern.

Aufruhr der Fenerbahce-Fans

Die Geschehnisse nach dem Spiel waren allerdings weniger erfreulich. Während die Spieler von Fatih Terim ihre Tränen der Freude nicht halten konnte und sich gegenseitig beglückwünschten, rasten die 55.000 Fenerbahce-Anhänger im Stadion vor Wut. Viel zu groß war die Aufregung, als dass man es dem Erzrivalen erlauben würde, den Meisterschaftspokal im eigenen Stadion hoch zu halten. Während die wild gewordenen Fans an den Securitys vorbeikamen, versuchten die Trainer ihre Spieler so schnell wie möglich in ihre Kabinen zu befördern.

Terminverschiebung für Pokalübergabe nicht akzeptiert

Mit herausgerissenen Sitzen und Rauchbomben attackierten die Fans das Spielfeld. Viele Sicherheitsleute wurden verletzt und über 50 Fans wurden festgenommen. Aufgrund dieses Durcheinanders wollte die TFF die Pokalübergabe an einen anderen Tag und einem anderen Ort verschieben. Von Seiten Galatasaray war dies allerdings alles andere als akzeptabel. "Wir gehen nirgendwohin ohne den Pokal mitzunehmen. Wenn es sein muss warten wir bis morgen früh. Aber wir werden den Pokal hier und jetzt hoch heben" sagte Präsident Ünal Aysal.

Faire Geste von "Fener"-Captain Alex de Souza

Ganze drei Stunden lang waren die Spieler von Galatasaray in ihrer Kabine aus Sicherheitsgründen gefangen. Ab und an schaute der ein oder andere Spieler mal hinaus, um die Lage abzuchecken. Während den drei Stunden ließ man sich durch die Geschehnisse aber die gute Laune keinesfalls rauben. Es wurde laut gefeiert und gejubelt. In der Zwischenzeit kam auch der Captain von Fenerbahce, Alex de Souza vorbei und gratulierte den Löwen, die diese Geste von Alex mit Respekt entgegennahmen, zur Meisterschaft.

"Man gewinnt Meisterschaften auf dem Feld, nicht in der Kabine."

Als eine Lächerlichkeit sah man den Vorschlag der TFF den Pokal in der Umkleidekabine zu bekommen. Stürmer Necati Ates äußerte sich bei einem Telefoninterview zu diesem Vorschlag folgendermaßen: "Man gewinnt Meisterschaften auf dem Spielfeld, nicht in der Umkleidekabine. Und wir werden auch den Pokal auf dem Spielfeld in Empfang nehmen."

Pokalübergabe im verdunkelten Stadion 

Nachdem es den Sicherheitsleuten nach stundenlangem Aufruhr gelang, die Fans aus dem Stadion zu befördern, konnten die neuen Meister endlich aus ihrer Kabine herauskommen und den Pokal auf dem Spielfeld des leergeräumten Fenerbahce-Stadions in Empfang nehmen. Auch durch die aus Protest von den Stadionbetreibern ausgemachten Lichter ließen die Löwen sich die gute Laune nicht verderben. Mit viel Freude und Erleichterung nahm man den Pokal an. Wenige Stunden später machten sich die Spieler via Mannschaftsbus auf dem Weg nach Florya, wo über 60.000 überglückliche Galatasaray-Anhänger ihre Mannschaft erwarteten.