Nach seinem unakzeptalen Verhalten gegenüber dem Trainer Carvalhal ist Quaresma geächtet und wird laut Aussagen der türkischen Presse nicht mehr für die Adler auflaufen. Es ist ein Zerfall eines Fußballers, der gefangen zwischen Eigendarstellung und Depression war.

Wie Ligablatt.de bereits berichtete hat Quaresma seinen Trainer Carvalhal verbal und physisch attackiert und sich durch sein aggressives Verhalten ins Abseits befördert. Doch es scheint so, als ob der Zerfall seiner Karriere bereits früh abzuzeichnen war.

Ein Charakterportrait des Portugiesen

Es hatte vielversprechend angefangen mit dem Portugiesen. Der gebürtige Lissabonner startete seine Ausbildung bei Sporting und legte außergewöhnliche Leistungen an den Tag. Seine äußerst starke Physis, seine technikbetonte Spielart und seine Torgefährlichkeit zeichneten ihn in seinen frühen Jahren aus. Sein Talent wurde schnell erkannt und es dauerte nicht lange, bis der katalanische Weltclub FC Barcelona an der Tür klopfte und Interesse am windigen nur 1,73 m großen Portugiesen bekundete. Für 6,35 Millionen Euro wechselte er 2003 schließlich  nach Barcelona, um aber ein Jahr später  für sechs Millionen an den FC Porto verkauft zu werden. Dort blühte Quaresma auf und avancierte rasch zum Publikumsliebling. Er entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Mannschaft. In seiner Zeit bei Porto durfte er in vier Jahren auch vier Mal den Meistertitel feiern. Er kam zu 148 Einsätzen und erzielte 30 Tore und 45 Vorlagen.

Erste Charakterschwächen machen sich bemerkbar

Es schien alles zu stimmen. Ein genauer Blick verrät aber, dass der Portugiese auffällig oft ermahnt wurde. Sein aggressives Verhalten wurde mit 34 gelben Karten quittiert. Die Charakterschwäche des damal 24 Jährigen ließ erste Züge offen legen. Obwohl die Charakterschwächen von Quaresma auch medial durch Exzesse wirksam wurden , hinderte es Inter Mailand nicht, eine für den FC Porto übliche Summe von 24 Millionen für den Flügelflitzer zu bezahlen. Sein erhofftes Glück fand er in Mailand nicht. Bei 32 Einsätzen gelang ihm nur ein Treffer. In Mailand fand er sich in einer ungewohnten Situation wieder. Nun war er nur noch ein ?Star? unter Vielen und dazu ein relativ blasser. Er musste oft die Bank drücken und verfiel in einen depressiven Zustand. Die fehlende Affektion aus Seiten der Fans setzte dem verwöhnten Offensivakteur schwer zu.

Der Zerfall schien nicht aufzuhören

Seine Form verschlechterte sich unweigerlich, bis er an den FC Chelsea ausgeliehen wurde, wo er ebenfalls zu keinen nennenswerten Leistungen kam. Er durfte in London nur magere fünf Mal für Chelsea auflaufen ? ein Tor erzielte er dabei nicht. Die Rettung aus seinem Formtief und der schweren Depression kam aus dem Bosporus.

Besiktas als Retter aus der Depression

Besiktas Istanbul verpflichtete den gefallenen Spieler für 7,5 Millionen Euro in der Hoffnung ihn wieder auf die Beine zu bringen und zu alte Form zu verhelfen. Es war ein mediales Ereignis am Istanbuler Flughafen. Abertausende Anhänger der Adler empfingen den Portugiesen mit offenen Armen und signalisierten ihn, dass sie auf ihn zählen und ihr ganzes Vertrauen schenkten. Denn immerhin stand eine schwerer Saison mit Spielen auf europäischer Bühne bevor ? Ziel war Nichts minderes als der Sieg der Europa League. Nach Galatasaray im Jahre 2000 gelang dies keiner zweiten türkischen Mannschaft.

Quaresma rappelt sich auf und spielt sich in die Herzen

Und anfangs schien es wirklich zu klappen. Quaresma bezauberte die Fans mit seiner Technik, seiner gewaltigen Schusskraft und seinem Spielwitz. Die gesetzten Ziele schienen nun in greifbarer Nähe zu sein. Er hatte es wieder zurück geschafft ? weg aus der tiefen Depression hin zu dem vermissten tosenden Applaus  – sein Name war wieder in aller Munde. Sogar zu einer erneuten Nominierung zur Nationalmannschaft hat es gereicht.

Alkohol und das Nachtleben holen ihn ein

Doch die Charakterschwäche des mittlerweile 28 Jährigen ließ nicht lange auf sich warten. Seine Überheblichkeit sorgte dafür , dass er sich schnell aus der Mannschaft distanzierte. Immer mehr zählte für ihn die Eigendarstellung und nicht der Auftritt als Mannschaft. Für ihn wurde es zum Usus undiszipliniertes Verhalten an den Tag zu legen. Sein ausschweifendes Nachtleben füllte die Boulevardpresse und schien keine Besserung in Aussicht zu stellen. Alkohol und Frauen setzten ihm zu und ließen ihn nicht mehr los. Er fiel mehr durch seine ständig wechselnden Frisure als durch Akzente auf dem Spielfeld auf.

Quaresma auf der Bank besser als auf dem Feld?

Zuletzt spielten die Adler besser ohne ihn als mit. Intern wurde die Verletzung des Portugiesen nicht mehr mit Bedauern, sondern mit Erleichterung aufgenommen. Denn pflegeleicht war Quaresma nicht. Auswechslungen missfielen ihm. Er verkannte, dass er sich selbst geschadet hatte und das Vertrauen einer ganzen Anhängerschaft, die ihn frenetisch gefeiert hatte, für seine eigenen schädlichen Laster aufs Spiel gesetzt hatte. Nun ist er dort, wo er ohne Besiktas war. In einem tiefen schwarzen Loch ohne Aussicht auf eine helfende Hand.