Der Präsident der Löwen, Ünal Aysal, attackierte in einem Interview die Fangemeinschaft der Kanarienvögel. Die Vorfälle und die geplatzten Augenbrauen von Terim und Sas seien das Zeichen für die fehlende Fankultur bei Fenerbahce ? ?Fern von jeglicher Toleranz und Anstand!?

Es war sicherlich kein schöner Anblick, als sich die Galatasaray-Spieler vor fliegenden Gegenständen im Sükrü Saracoglu Stadion in Acht nehmen mussten, um nicht gefährlich verletzt zu werden. Vielmehr war es eine Bestätigung dafür, dass sich noch einiges in den Reihen der Fans und der Vereine ändern muss.

Doch so unakzeptabel die Vorfälle auch waren, die Reaktion von Galatasaray unmittelbar nach dem Spiel war eine ganz andere. Die Trainer Terim und Sas, die beide die Hauptbetroffenen der Angriffe waren, versuchten die Verletzungen herunter zu spielen, um den Medien ein Zeichen zu geben. Das ging sogar soweit, dass Terim es ablehnte am Spielfeldrand während der Partie behandelt zu werden. Er habe befürchtet, die Bilder könnten um die Welt gehen und das Ansehen des türkischen Fußballs weiter schaden. So nahm er in Kauf, dass sich die Wunde bis zum Abpfiff weiter verschlimmerte.

Diese äußerst durchdachte Vorgehensweise zeichnet den erfahrenen Fußballmenschen Terim aus. Seine Nachricht galt den Fans wie aber auch den Medien, die endlich die Hetze gegen die eigene Liga aufgeben sollten. So wurde es auch aufgenommen, als eine Geste der Freundschaft.

Aysal polarisiert weiter

Doch Clubchef Aysal hat es geschafft, diese feinfühlige Geste mit einem einzigen Interview in den Schatten zu stellen. Seine Aussagen gegenüber einer türkischen Sportzeitung zeugen von einer gegenläufigen Überzeugung.

Im Interview attackierte der Vorstandsvorsitzende Aysal die ganze Riege der Feneranhänger.

?Es sieht so aus, als ob die Fenerfans noch weit von der kulturellen und sportlichen Reife der Galatasaray-Anhänger entfernt sind. Galatasaray-Fans haben den Fair-Play-Gedanken weitestgehend verinnerlicht. Wir haben die Gäste in unseren Stadien ohne jegliche Übergriffe empfangen. Nicht einmal verbale Übergriffe hat es gegeben. Das gleiche haben wie auch im Spiel gegen Besiktas geschafft. In Kadiköy war an eine solche freundschaftliche Atmosphäre nicht zu denken. Fliegende Gegenstände und tiefgehende Ausdrücke haben die Stimmung getrübt. Die Galatasaray-Fans sind auf einem sehr guten Weg. Meine Bitte an sie ist es, diesen Standard, den sie erreicht haben weiter zu steigern.?

Aysal wurde zu Beginn seiner Amtszeit für seine Zurückhaltende Art gelobt. Durch sein Studium in der Schweiz habe er gewisse Umgangsformen verinnerlicht, glaubte man. Doch seine unnötigen und hetzerischen Aussagen im Manipulationsskandal und aktuell die Kritik an die gegnerischen Fans zeugen von einem anderen Bild. Ein Kritikpunkt der Aysal-Gegner scheint sich hier zu bestätigen: Aysal sei der Fußballwelt fremd. Er könne die Abläufe innerhalb der Clubs nicht nachvollziehen und besitze kein Feingefühl. Er sei zu sehr Geschäftsmann als Vereinspräsident.